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) Dreiachser ) Aerogallo iEin lli rebellischer Hahn aus IliItalien Was passiert, wenn ein Rennfahrrad-Mechaniker, der von Flugzeugen fasziniert ist, von der Muse geküsst wird? Es entsteht ein außergewöhnliches Fluggerät: ein fliegender Hahn. Im Gespräch mit dem italienischen Flugzeugbauer bekommen wir interessante Einblicke in die Entstehungs- geschichte eines wahrlich nicht alltäglichen UL-Flugzeugs. Aerogallo: Auch wenn der Vogel nur auf der Photo- montage geflogen ist (gr. Bild), laufen kann er schon. Der Fahrradmechaniker und Künstler Ottone Baggio ist ein autodidaktischer Flugzeugkonstrukteur. Er beschäftigt sich nur ungern mit technischen Daten und kritzelt seine flugtechnischen Zeichnungen meist auf Servietten und Papierschnipsel. Sein Interesse gilt eben hauptsächlich der Ästhetik. Der fliegende Hahn, der ihm schon seit den siebziger Jahren im Kopf herumspukt, ist end- lich soweit, flügge zu werden. Ottone Baggio bewies bei den ersten kurzen Hüpfern des Ae- rogallo am 29. und 31. Juli 2009, dass auch ein Laie mit solchen Entwicklungszeichnungen ein flugtaugliches Gerät schaffen kann. Baggio ist allerdings nicht nur ein leiden- schaftlicher Künstler, er besitzt auch prak- tische Erfahrungen im Flugzeugbau, von denen er bei seinem Projekt profitiert. Über zwanzig Flugzeuge hat er schon gebaut, den größten Teil davon entwarf er selbst. Auch marktgän- gige Serienflugzeuge wie Kitfox, Fascination, Storm und Flash fertigte Baggio für Freunde aus Bausätzen an. Doch jetzt lässt er die nor- mierte Flugzeugwelt hinter sich und verwirk- licht seinen künstlerischen Fliegertraum, den fliegenden UL-Hahn. So ganz richtig fliegt der Hahn allerdings noch nicht, eher flattert er noch. Denn bei den Erstflügen im Juli handelte es sich lediglich um Rollversuchen mit Tempi bis zur Startgeschwin- digkeit. Bei diesen Versuchen hob der Aerogal- lo mehrfach ab und flog ein paar Meter über der Landebahn. Anschließend zerlegte Baggio den Flieger, um ein paar Details zu optimieren. In diesem Frühjahr soll der Hahn richtig in die Luft gehen und sich dem hoch fliegenden Vogelvolk anschließen. Das einmotorige Flugzeugtier wird von einem Rotax 912 mit 80 PS angetrieben. Dieser mit GFK verkleidete Motor befindet sich im Cock- pitüberbau, der den Hahnenkopf bildet. Der Schnabel des Hahns ist der Propellerspinner. Insgesamt ist der Vogel 5,80 Meter lang und hat eine Spannweite von 7,25 Metern. Der Rumpf des zweisitzigen Spornradflugzeuges besteht aus geschweißten Stahlröhren, die mit Thermotuch verkleidet sind. Die Kabine, sorry, der Bauch des Hahns hat eine Breite von 105 Zentimetern, in dem zwei Personen nebeneinander Platz neh- men können. Die Tragfläche, deren Vorderkan- te aus GFK besteht, ist aus Holz und ebenso wie die Steuerflächen mit Stoff bespannt. Den Hauptholm bildet ein Kastenprofil aus Fichten- sperrholz, dessen Querschnitt sich zum Flügel- ende hin verjüngt. Die Querruder machen zwei Drittel der Austrittskante aus, die Landeklap- pen ein Drittel. Die Steuerung des Spornradflie- gers übernehmen auf dem Boden zwei Einzel- bremsen am Hauptfahrwerk, weil das Bugrad frei schwingend ist. Ottone Baggio ist überzeugt davon, dass sein Hahn der schnellste auf dieser Welt sein wird - mit errechneten 150 km/h. Dass ein Flugzeug, dessen Vater ein Künst- ler ist, keine schnöde Einfarbenlackierung be- kommt, ist fast selbstverständlich. Mit Hilfe seines Freundes, dem Architekten Guiliano Bas- so, ließ Baggio aus dem Flugzeug den Aerogal- lo (ital. „Lufthahn“) mit Pinsel und Acrylfarbe entstehen. Als Vorlage diente ein Bild des be- kannten Malers Antonio Ligabue, ein Vertreter der „Art brut“, der im vergangenen Jahrhundert in Norditalien lebte. So naiv Entwicklung und Malerei des Aero- gallo auch wirken, verbirgt sich doch ein rich- tiges UL-Projekt hinter dem verrückten Hahn. Der Künstler Baggio sieht sein Werk als eine Re- bellion gegen eine allgemeine Tendenz im UL- Bau: „Die Produkte auf dem Markt werden im- mer schneller und teurer. Noch dazu sehen sich alle ULs immer ähnlicher. Aerogallo zeigt, dass es auch anders geht!“ Wir werden den rebellischen Hahn bei seinen weiteren Flugversuchen im Frühjahr begleiten. Marino Boric ❰❰ 56 Flügel 101 Das Federkleid ist schon perfekt (oben) - der Erstflug soll Mitte dieses Jahres erfolgen. Künstler Ottone Baggio, Vater des Gefieders, mit seiner wohl aufsehenerregensten Kreation (unten). Fotos: Baggio, Basso Flügel 101