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) Technik ) M.E.RIN Sicherheitstreibstofftanks Unbekannte Lebensretter Bei allen Sicherheitsvorkehrungen wie Rettungsschirmen, doppelten Zündanlagen, Sicherheitsgurten und regelmäßigen Kontrollen vergessen wir, dass Piloten oft auf einfachen Treibstofftanks sitzen oder sich zumindest in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Diese Tanks können nicht nur bei einem Totalcrash, sondern auch bei leichteren Unfällen beschädigt werden. So kann sich ein harmloser „Zwischenfall“ durch auslaufenden Treibstoff in eine lebensbedrohende Feuerkatastrophe verwandeln. In diesem Jahr im Juli stürzte ein UL in Ita- lien wegen Motorproblemen ab. Der un- verletzte Pilot konnte sich selbst aus dem Wrack befreien. Beim Verlassen des Flugzeugs musste er durch ausgetretenes Benzin laufen, dass sich entzündete. Er erlag im Kranken- haus seinen tödlichen Brandverletzungen. Vor vier Jahren erregte ein anderer Unfall in Italien Aufmerksamkeit, der jetzt die Diskussion um Sicherheitsvorkehrungen bei Unfällen mit aus- laufendem Treibstoff in Gang bringt. Ein Sport- flugzeug kollidierte beim Anflug in der Nähe von Rom mit einer Stromleitung, fiel auf ein Haus und wurde total zerstört. Der Pilot starb sofort an einem Stromschlag, der Fluggast und die Hausbewohner blieben unverletzt, da es zu keinen Brand kam. Das Flugzeug war mit einem Sicherheitstreibstofftank ausgestattet. Werksbesuch Eine Verringerung der Verletzungsgefahr durch Einsatz von Sicherheitstreibstofftanks war für uns eigentlich schon Grund genug, eine Firma, die solche Lebensretter herstellt, zu besuchen. Aber es kommt noch eine ganz andere, aktuelle Anwendungsmöglichkeit dieser Tanks hinzu. Zurzeit sind mehrere Pulsar-Flugzeuge (Ama- teurbauten) in Deutschland stillgelegt. Auto- benzin wird neuerdings mit Alkohol vermischt (siehe auch Artikel auf S. 42) und der greift die Tankbeschichtungen der sogenannten „nassen Flügel“ dieser Flugzeuge an. Weil die formge- Die zusammengefügten Teile des abgestürtzen Pulsars in Italien – fast nur die Sicherheitstanks sind noch intakt bende Flügelaußenhaut den Tank bildet, kön- nen sich sogar die hinter dem Tank befindlichen Schaumstoffrippen auflösen und das Flugzeug strukturell schädigen. Eines der wenigen spezia- lisierten Unternehmen, die Sicherheitstreibstoff- tanks für viele Sparten herstellen, ist die Firma M.E.RIN aus Capena in der Nähe von Rom. Fir- meninhaber Enzo Gianbartolomei lieferte uns im Gespräch ausführliche Informationen zur Geschichte der Sicherheitstanks und deren Nut- zung in heutiger Zeit. Entwicklungen Sicherheitstanks entstanden in den USA kurz vor dem zweiten Weltkrieg zum Einsatz in Flug- zeugen, deren Tanks sich in den Flügeln befan- den und wegen starker Vibrationen an Schweiß- nähten oder vernieteten Stellen ziemlich schnell Treibstoff verloren. Einen weiteren Entwick- lungsschub erhielt die Produktion von Sicher- heitstanks während des Vietnamkrieges, wo viele US-amerikanische Hubschrauber durch Explosionen von Treibstofftanks zerstört wur- den. Oft reichte schon ein Treffer durch kleinka- librige Munition zur Auslösung. Nach dem Ein- satz von Sicherheitstanks in diese Hubschrauber gab es eine drastische Verminderung von Hub- schrauberabschüssen, die nun auch mit beschä- digten Tanks sicher landen konnten. Denn, so erklärt Enzo mehrfach, eine der wichtigsten Ei- genschaften von Sicherheitstanks ist ihre Explo- sionssicherheit allein schon durch eine geringe mechanische Verwundbarkeit, da sich der Treib- stoff in einem stark gummierten Gefäß befindet. Außerdem füllt das Tankinnere ein schwamm- ähnliches Material aus, das die Entstehung eines entzündungsfähigen Gemisches verhindert. Si- cherheitstanks sind heute in der Militärfliegerei (Tornado, F104, Bell206 usw.) weit verbreitet, in der allgemeinen Luftfahrt / Sportfliegerei jedoch noch selten zu finden, von einigen Ausnahmen abgesehen (z. B. Flugzeughersteller Compact Compositi / Millennium, Golden Car /F30, New Avio). In anderen Bereichen setzten sich Sicher- heitstanks schnell durch: Der deutsche Panzer Leopard, gepanzerte Zivil-Fahrzeuge, Renn- boote und Rennautos sind ohne diese Tanks heu- te undenkbar. Nach dem Unfall von Niki Lau- da sind bei Autorennen schon seit 1975 von der Rennorganisation FIA Sicherheitstanks vorge- schrieben, was zu einer sehr deutlichen Unfall- minderung führte. Hätte die Concorde so einen Treibstofftank besessen, wäre es zu dem kata- strophalen Unfall in Paris wahrscheinlich auch nicht gekommen. Herstellungsprozess In den Produktionshallen der Firma M.E.RIN zeigen uns Enzo und sein Sohn Andrea, wie sie in einem aufwändigen Prozess ihre Sicherheits- tanks herstellen. Zur Produktion eines Tanks für einen bestimmten Flugzeugtyp muss die Firma zunächst eine dauerhafte, maßangefertigte Ur- form bauen. Mit deren Hilfe wird für jeden einzelnen Tank eine Gipsform hergestellt, die im Verlauf des Herstellungsprozesses zerstört wird. Über diese Gipsform werden verschiedene Schichten Spe- zialgummigewebe aufgebracht und im Auto- klaven vulkanisiert, d. h. dauerhaft verbacken. Vor dem Vulkanisieren werden die notwendigen Öffnungen mit Metallrahmen und –anschlüssen versehen. Die Gipsform, die sich nun im Inneren des entstehenden Tanks befindet, wird mit Hil- fe von Wasser aufgeweicht und ausgewaschen. Der entstandene Hohlraum wird mit in Tank- form zugeschnittenem, schwammähnlichem Schaumstoff gefüllt, der durch die vorhandenen Öffnungen gezwängt wird. Verschiedene Sor- ten dieses Schaumstoffes stehen für unterschied- liche Treibstoffabgabemengen je nach Bedarf Tankformen in Hülle und Fülle: Enzo Gianbartolomei in seinem Lager. 40 Flügel 6/09 ) Technik ) zur Verfügung. An den Metallöffnungen werden danach Einfüllstutzen bzw. Tankgeber und ande- re Zu- und Ableitungen geschraubt. Nach der bestandenen Qualitätskontrolle, de- ren wichtigster Teil die Dichtigkeitsprüfung in Wasserbehältern ist, werden die Tanks mit tech- nischer Plakette und Seriennummer versehen. Auf unsere Frage nach den Preisen für sei- ne Sicherheitstanks erklärt Enzo: „In einer Se- rienherstellung werden die Kosten gegenüber der Einzelerstanfertigung lediglich um ungefähr 20 Prozent niedriger ausfallen, weil die nach- folgenden notwendigen Herstellungsschritte sehr viel Handarbeit erfordern. Genaue Preise sind auch deshalb nicht pauschal zu beziffern, da Tanks verschiedenste Formen und Anbau- teile haben können. Mit einem Stückpreis von 1000 bis 1500 Euro muss man allerdings rech- nen.“ Besonders stolz zeigt uns Enzo sein letztes Projekt, wo er für die Tecnam P92 Sicherheits- tanks gebaut hat. Die Originaltanks (Nassflügel) haben ein Volumen von 2 x 30 Liter und wie- gen insgesamt 3 Kilo. Enzos Lösung brachte ein nutzbares Volumen von 90 Litern mit einem Gesamtgewicht von 7,85 Kilo. Gegenüber der Originalversion sind die Tanks wesentlich bes- ser geschützt, da sie sich zusätzlich zu den oben beschriebenen Schichten in einer CFK-Hülle befinden, die für die nötige Stabilität der Bau- teile sorgt. Diese sehr aufwändige Lösung kostet 1.500 Euro pro Tank. Vor- und Nachteile Neben den höheren Kosten liegt ein weiterer Nachteil in dem Verlust von fast drei Prozent des zur Verfügung stehenden Tankvolumens. So ver- liert man bei 100 Liter Tankvolumen 2,3 Liter allein durch den eingebrachten Schaumstoff. In der Regel sind solche Sicherheitstanks auch ge- ringfügig schwerer als herkömmliche Versionen (Nassflügeltanks), jedoch leichter als Stahlkon- struktionen. Zu dem schon genannten Vorteil der Explosionssicherheit der Tanks kommt noch ein positiver Materialeffekt des Schwamms hin- zu, der ein Schwanken des Treibstoffs im Tank verhindert, so dass es nicht zu unerwarteten Ge- wichtsverlagerungen kommen kann. Den Vorteil der höheren Stabilität – Enzo spricht sogar von Unzerstörbarkeit – demonstrierte die Firma vor kurzem auf einer Messe. „Aus 15 Metern Höhe warfen wir einen Sicherheitstank und einen Alu- miniumtank ab, beide mit Wasser befüllt. Der Alu-Tank platzte beim Auftreffen auf dem Bo- den, der Sicherheitstank blieb unbeschädigt und wieder verwertbar“, berichtet Enzo stolz. Als weiteren Vorteil seiner Tanks sieht Enzo da- rin, dass selbst bei einer unwahrscheinlichen Ver- letzung der Außenhaut kaum Treibstoff austritt. Solche Sicherheitstanks sind im Gegensatz zu herkömmlichen Tanks zudem begrenzt verform- bar. Ein anderer Pluspunkt, der für die zurzeit stillgelegten Pulsar-Selbstbauten in Deutschland eine mögliche Lösung sein kann, liegt in der Kompatibilität dieser Sicherheitstanks mit dem neuen Benzingemisch, das diese Tanks nicht an- greift. Für ein Pulsar XP sollen laut Enzo zwei Aussen hart und Innen weich: Die Sicherheitstanks werden Innen mit Schaumstoff (links) gefüllt, aussen bestehen sie aus mehreren Schichten Spezialgummi, das vulkanisiert wird. komplette Tanks von je 33 Litern mit allen An- schlüssen und Gebern um 2.200 Euro netto ko- sten (50 l Tank + 200 Euro). Fazit Es scheint so, als ob ein Umdenken zu mehr Si- cherheit auch bei UL-Herstellern langsam statt- findet. Vermehrte Käuferanfragen könnten diesen Prozess noch beschleunigen. Beim Werksbe- such sahen wir mehrere von Herstellern zuge- schickte Rumpf- und Flügelteile, für die die Fir- ma M.E.RIN Sicherheitstanks entwickeln soll. Erste Anfragen bekam Enzo auch aus Deutschland, für Frankreich und Italien werden schon Lösungen produziert. Doch auch Flugzeugbesitzer sollten sich über- legen, ob der Einsatz von Sicherheitstanks nicht angemessen und notwendig ist. Vorschriften wie im Autorennbereich gibt es in der Luftfahrt noch nicht. Es bleibt jedem Einzelnen selbst überlas- sen, ob er einen sinnvollen Beitrag in die Sicher- heit der Fliegerei leisten möchte, der im Endef- fekt weniger als manche elektronische Spielerei im Flugzeug kostet. Marino Boric ❰❰ Eine kleine Serie Tanks für den Hubschrauber Robinson R22 (oben); Die M.E.RIN Lösung für die Tecnam P92 Echo, (von l. n. r.:) zusammengebauter 45 l Sicherheitstank, 30 l Original P92 Tank, daneben die Teile des Sicherheitstanks (rechts). ANZEIGEN Fotos: Marino Boric, M.E.RIN www.parawing.de Das Password für Luftsportversicherungen: Versicherungsservice Telefon 07 11/73 27 79 Flügel 6/09 41