MegaZine3 requires JavaScript and Adobe® Flash® Player 10

Please ensure you have JavaScript enabled in your browser. Even if you do not have the Adobe® Flash® Player installed, this may allow a fallback version to be rendered.

To install the Adobe® Flash® Player, follow the links below:

Get Adobe Flash Player

If you still encounter problems after installing the Adobe® Flash® Player, from the above link, try this one:

Get Adobe Shockwave Player

Powered by MegaZine3

Der neue Millennium Master flog erstmals im Oktober 2008. Ein großes Display bestimmt das aufge- räumte Cockpit. Schon vor zwei Jahren belagerten Besucher auf der AERO tagelang den ultraleichten Tandem-Dop- pelsitzer, der dort erstmals präsentiert wurde. Der rassige, blau-silberne Italiener, der am 27. Mai 2006 seinen Erstflug absolvierte, versprach viel, vor allem Geschwindigkeit. Die Daten, die der Flugzeug bauer herausgab, klangen sensationell. Die 80 Pferdestär- ken (59 kW) des Rotax 912 sollten das Flugzeug in Kombination mit einem Verstellpropeller auf 300 km/h Reisegeschwindigkeit bringen. Publikum und Presse in Friedrichshafen waren begeistert. Doch nach der AERO hörte man von Millennium so gut wie nichts mehr. Die eine oder andere spärliche Nachricht kam über die Alpen, aber das Flugzeug tauchte nirgendwo mehr auf. Was war passiert? Firmenmitinhaber Curzio Fantoni gab uns nun in einem ausführlichen Gespräch im Millennium- Werk in Ferriera di Buttigliera Alta nahe Turin Aus- kunft über die Geschichte des jetzt wiedergebore- nen Fliegers. Das Karbon-Flugzeug entstand vor einigen Jah- ren auf der Basis der Asso IV in Zusammenarbeit mit dem bekannten italienischen Flugzeugbauer Giu- seppe Vidor. Die Asso-Holzflugzeuge von Vidor sind in Italien dafür bekannt, dass sie sehr gute Leistun- gen mit schwachen Motoren erbringen können. Eine gute Aerodynamik und ein einziehbares Fahr- werk tragen dazu bei. Allerdings leidet insbesonde- re das Modell Asso IV bei besetztem hinteren Tan- demsitz unter Schwerpunkt-Problemen. Da das ursprüngliche Millennium viel mit Asso IV gemein- sam hatte, zeigte es leider auch dessen Hecklastig- keit, schon wenn sich eine leichte Person auf dem hinteren Platz befand. Deutlich verschlechterte sich diese Situation noch, wenn im Heck der Firmen-Mit- besitzer Fantoni mit seinen knapp 100 Kilo saß. Da dieser Zustand für den leidenschaftlichen Piloten im wahrsten Sinne des Wortes nicht tragbar war, ent- schied er sich für eine radikale Lösung. Der auf der AERO vorgestellte Prototyp wurde stillgelegt und ein neues Flugzeug gebaut. Beim Prototyp Nr. 2 wanderten die Flügel 20 cm nach hinten und 5 cm tiefer. Dieser neue Versuchsträger flog erstmals im Oktober 2007. Schon beim ersten Flug stellte sich die radikale Veränderung des Fliegers als Volltreffer heraus. Die Schwerpunkt-Probleme waren beseitigt ohne die Leistungsstärke zu beeinträchtigen. Kur- zerhand verschrottete man die alten Formen, neue wurden gefertigt und einer Produktion stand nichts mehr im Weg. Das jetzt zu Testzwecken fliegende, rot-silberne Vorserien-Flugzeug Nr. 3 ging erstmals im Oktober 2008 nördlich von Turin in die Luft. Der Testpilot der Firma Compact Compositi, Ri- cardo Brancaleoni, sammelte mittlerweile um die hundert Flugstunden Erfahrung auf dem Millen nium Master. Nach seinen Worten ist der rassige UL-Flie- ger sehr leicht zu fliegen – so leicht, dass er es so- gar zu Schulungszwecken in seiner Flugschule ein- setzen wird. Die Flugschüler ständen bei ihm schon Schlange, was niemanden wundert angesichts der gelungenen Optik des UL-Fliegers. Compact Compositi fertigt den Tandemsitzer im Werk nähe Turin ganz in Eigenregie, wobei den Mit- arbeitern jahrelange Erfahrung in anderen Produk- tionsbereichen zugute kommt. Die Firma ist nämlich spezialisiert auf die Herstellung von Kunststoffteilen, u. a. für Sportfahrzeuge, Rennfahrzeuge und Proto- typformen. Vor einigen Jahren erweiterte sie ihren Produktionsbereich auf die Komponentenherstel- lung für Luftfahrtfirmen. Der Schritt zur eigenen Millennium Master Das superschnelle UL Nun ist er da, der Racer für normale UL-Liebhaber: Millennium Master! Die Firma Compact Compositi aus Turin in Italien wird das schnittige UL in der endgültigen Ausführung auf der Aero 2009 vorstellen. GENERAL AVIATION | 48 | FLiEGERREVUE SPECIAL | 04-2009 | Flugzeugproduktion lag nahe. Firmenteil haber Fantoni erklärte, dass eine in Auftrag gegebene Marktanalyse die Produktion eines außergewöhnlich schnellen UL-Flugzeugs nahe legte. Um das Ma- ximum des Machbaren herauszuholen, habe man sich deshalb für eine Tandemanordnung beim Millennium Master entschieden. In den Werkshallen konnten wir mehrere Flugzeuge in unter- schiedlichen Bauphasen sehen. Luisa Gallo, die Mitbesitzerin von Compact Compositi, erklärte, dass die Firma in der Lage ist, bis zu 40 Bausätze oder fertige Flugzeuge pro Jahr zu liefern. Millen- nium Master wird komplett aus Karbonfaser-Verbundmaterial ge- fertigt, da sonst die Leermasse von 285 Kilogramm des mit einem einziehbaren Fahrwerk bestückten Fliegers nicht zu halten wäre. Der gesamte Rumpf besteht aus zwei Halbschalen, die nach dem Zusammensetzen mit der Sitzschale und der inneren Seitenver- kleidung aus Karbon zusätzlich verbunden sind. Auf diese Weise wird die Stabilität des Rumpfes erhöht. Fest mit der Rumpfsek tion ist auch das Mittelsegment des Flügels verbunden, in dem sich zwei Sicherheits-Gummitanks befinden. An dieser Zentralsektion sind mit stabilen Karbonscharnieren die äußeren Flügelteile befes- tigt. Zu Transportzwecken oder bei raumsparender Unterbringung des Flugzeugs können sie hochgeklappt werden. Sogar der Stra- ßentransport ist dann mit einer Breite von 2,40 m möglich. Die Spannweite des Millennium beträgt im Normalfall allerdings 8,10 Meter, die Länge 7,10 Meter und der Flächeninhalt der ge- schwungenen Tragflügel 9,96 Quadratmeter. Im vorderen, auf- geräumt wirkenden Cockpit tritt nur ein großes Display hervor. Dabei handelt es sich um das auf Windows basierende EFIS der italienischen Firma DigiSky. Es ist in der Lage, auch sprachlich ein- zelne Flug-Parameter oder kritische Werte auszugeben. Fotos: Boric Der Millennium Master wird komplett aus Karbonfaser-Ver- bundmaterial gefertigt. Geschwindigkeit – das ist das Wort, an das man denkt, wenn man vor dem sportlichen Italiener steht. Millennium Master wur- de für eine atemberaubende Maximalgeschwindigkeit von sage und schreibe 375 km/h gebaut, die allerdings nicht mit dem Ro- tax 912S erreicht werden kann. Um das Potenzial von diesem UL- Flugzeug voll auszuschöpfen, ist eine wesentlich stärkere Moto- risierung nötig. Erst diese würde Millennium Master zu einem richtigen Racer mit UL-Zulassung machen. Dass solche Leistun- gen nicht zum Nulltarif zu haben sind, ist klar. Der Preis von 110 000 bis 120 000 Euro für diesen gut ausgestatten „Rennflie- ger“ scheint aber angesichts der Optik, der Leistung und der Ver- arbeitung in Ordnung zu sein. Seit einigen Monaten wird in Turin bei Compact Compositi mit Hochdruck gearbeitet. Die Serienproduktion ist angelaufen und fünf Flugzeuge sind schon auf dem Weg zu ihren italieni- schen Besitzern. Ein Deutschland-Importeur wurde gefunden, und das deutsche Zulassungsverfahren bei DULV ist im Gange. Der siebte produzierte Millennium Master geht nach Deutschland zum Luftfahrtbetrieb Norbert Lorenzen in Landshut, der ab so- fort die Millennium-Vertretung für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernimmt. ■ MARINO BORIC