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Technik Sennheiser S1 Digital Headset im High-End-Himme Sennheiser präsentierte mit viel Aufwand auf der AirVenture 2011 in Oshkosh sein neuestes Produkt S1 Digital, ein Pre- Headset in der Oberklasse des Lightspeed Zulu.2 und auch des Bose A20. Bei der Präsentation des S1 am Messestand zeigte sich die Crew von Sennheiser sichtlich begeistert. Sie schwebte regelrecht im siebten Himmel, so überzeugt war sie von der Qualität des S1 Digital. Ob die Au- fregung berechtigt war, testeten wir kürzlich an einem Vorserienmodell im Flug. mium- Text und Fotos: Marino Boric Es ist schon lange her, dass ich bei der Erstbenutzung von einem Headset ähnlich aufgeregt wie die Jungs von Sennheiser war. In den letzten Jahren spielte sich die Entwicklung im Headsetbereich in sehr kleinen Schritten ab und die minimalen Unterschiede waren fast nicht zu bemerken, so dicht beieinander lagen alle Produkte. Jetzt mischte Sennheiser die Karten neu, startete (glücklicherweise?) von einem leeren Blatt Papier aus und entwickel- te auf Anhieb eins der besten Headsets auf dem Markt. Entwicklungshilfe holten sich dabei die Leute von Sennheiser vor vier Jahren von Profis im Designerbereich, der Firma BMW Designworks USA. Das Ergebnis ist ein Produkt voller technischer Raffinesse in Sennheiser-Tradition. Die Optik des Headsets S1 lässt sich mit austauschbaren Kappen aufwerten, die individuell bedruckt werden können. Das Aussehen mag zwar wichtig sein, aber was mich bei diesem Produkt be- eindruckt, ist das, was man nicht sieht. Das Zauberwort heißt in diesem Falle „NoiseGard"-System — eine volladap- tive digitale Lärmkompensation, die sich der im Flugzeug tatsächlich herr- schenden Geräuschumgebung anpasst. Im Gegensatz zur herkömmlichen ANR-Schaltung (Automatic Noise Reduction) arbeitet das Sennheiser S1 Digital nicht nur mit festen Filtern, sondern reagiert auf die Intensität des tatsächlich vorhandenen Lärms. Schon bei abgeschaltetem ANR ist die passive Dämpfung von Si sehr gut. Allerdings genügt ein Knopfdruck auf die lin- ke Ohrmuschel, um Lautstärke und Frequenzspektrum der Geräusche zu messen. Der interne, digitale Signalprozessor erzeugt dann auf die vorgefundene Geräuschkulisse einen abgestimmten Filter-Algorithmus. Dies ist der eigent- liche Clou beim S 1. KONVENTIONELLE ANR-HEADSETS Normalerweise benutzen ANR- Headsets einen akustischen Trick um Geräusche zu minimieren. Kleine Mikrofone, an der Innenseite der Ohrmuschel eingebaut, messen un- erwünschten Lärm, bevor er an un- sere Ohren dringt. Dabei tasten sie die Frequenzen ab und kreieren eine Kopie des Geräusches, die dann mit 180 Grad Phasenverschiebung unseren Ohren zugeführt wird. Dadurch wird der störende Lärm unterdrückt. Klingt kompliziert, aber funktioniert recht gut, allerdings überwiegend bei niedrigen Frequenzen. NOISEGARD DIGITAL Die herkömmliche Lärmunterdrückung reichte Sennheiser nicht, weil sie wesentlich breitere Bereiche des Geräuschspektrums abdecken wollten. Zu diesem Zweck brachte man zwei zusätzliche, hochsensible Mikrofone an der Außenseite der Ohrmuscheln an. Diese Mikros nehmen zusätzlich die hochfrequenten Umgebungsgeräusche auf, die an Propeller, Motor und durch die vorbeiströmende Luft entstehen. Die 64 Flügel Nr. 5et-1■14Ce Kombination dieser vier, innen und au- ßen angebrachten Mikrofone und eine intelligente Elektronik blockieren weite Bereiche des Lärms. Normalerweise, mit wenigen Ausnahmen, verwendet man nur eins von beiden Systemen. Die Leute von Sennheiser griffen tief in die Trickkiste und verwendeten „NoiseGard Digital", ein echtes ad- aptives Geräuschreduktionssystem. Aktiviert wird es durch das Betätigen einer länglichen Taste, dem „Smart- Update-Knopf", der sich an der linken Ohrmuschel oberhalb des Bügelanschlusses des Mikrophons befindet. Dadurch nimmt S1 ei- nen Schnappschuss aller aktuellen Geräusche auf und kreiert in drei Sekunden mit 1500 Rechenoperationen einen auf diese Situation abgestimmten Filter. IN DER PRAXIS Für technisch nicht so Versierte lässt sich das System am Praxisbeispiel aus dem realen Fliegerleben verdeutlichen. Geräusche zu dämpfen ist bei modernen Kolbenflugzeugen wie Cessna Corvalis und Cirrus relativ einfach, weil die- se modernen Flugzeuge ohnehin lei- se sind. Bei ULs, Flugzeugen älteren Baudatums oder offenen Fliegern sieht die Geschichte ganz anders aus. Die Lärmkulissen der gerade beschriebenen Flugzeuge unterscheiden sich sehr von- einander. Bei Luftaufnahmen mit mei- ner Kamera trug ich kürzlich den S1 in einem Flugzeug ohne Türen, wo der Lärm gewaltig war und völlig anders als die Geräuschkulissen eine Stunde später in zwei anderen Flugzeugtypen, die beide aus unterschiedlichen Materialien bestanden. In diesem ex- tremen Einsatz erwies sich der S1 als wahre Wunderwaffe. Nur durch einen Druck auf den Smart-Update-Knopf passte sich das Headset dem jeweiligen Umgebungslärm an. So etwas habe ich bis jetzt noch bei keinem Kopfhörer erlebt. Komfortabel zeigte sich der S1 bei meinen Flügen auch, weil ich den Anpressdruck des Kopfhörers problemlos verändern konnte. Auch die anpassbare Schaumstoffzone für meine Sonnenbrillenbügel in den Ohrmuscheln zeugte von Qualität. Ich fand sehr positiv, dass der S1 einen Kopfhörerbügel ohne scharfkantige Ecken besitzt und das sichtbare Metall- Mittelteil durch Gummi geschützt ist. So hinterlässt der S1 keine Kratzer an verglasten und niedrigen Plexihauben moderner Uls. Die Wiedergabe der hohen Töne ist beim S1 für bei- de Seiten getrennt zu regeln, was eine hohe Sprachverständlichkeit auch bei älteren Piloten garantier- ten soll. Selbstverständlich ist auch die Lautstärkenregelung für die lin- ke und rechte Seite individuell mit Schiebereglern im Bedienteil ein- stellbar, genauso wie die Mono- oder Stereowiedergabe. Das eingebaute Sprechmikrofon besitzt ebenfalls eine Geräuschunterdrückung. Auch in die- sem Preissegment nicht immer üb- lich, besitzt das S1 ein eingebautes Bluetooth-Modul, das die Annahme von Gesprächen durch einen Druck auf die im Kabel integrierte Fernsteuerung erlaubt. Zusätzlich werden auf die gleiche Art und Weise auch Musik und Telefongespräche übertra- gen. Eingehende Funkmeldungen unterbrechen Gespräche oder Musikübertragung automatisch. Wenn das eingebaute NoiseGard eingeschal- tet wird, lässt es maximal einen inter- nen Schalldruckpegel von 115 Dezibel zu. Bluetooth und NoiseGard werden durch zwei AA-Batterien/-Akkus be- trieben, die im Bedienteil Platz finden und einen Einsatz von 25 bis 40 Stunden ermöglichen. Falls die Batterien keinen Strom liefern und die mögliche externe Stromzufuhr nicht vorhanden ist, ver- hält sich der S1 wie ein normales passi- ves Headset. 410 Gramm wiegt der S1 und wird mit einer Tragetasche, einem Wind-/Popschutz und einem Kabel- und Gürtelclip geliefert. FAZIT Alles in allem kann ich jetzt die Begeisterung des Sennheiser-Personals bei der Vorstellung nachvollziehen. Dieser S1 bietet sehr viel, was er auch muss beim Preis von 1048 Euro (UVP). Auch als Musikkopfhörer mei- ner heimischen Anlage machte der S1 beim Pilotenfeierabend noch eine gute Figur — wohl selbstverständ- lich für eine erfahrene Firma aus diesem Bereich. Also alles eitel Sonnenschein? Kleinigkeiten haben mich beim Praxistest schon gestört, wie beispielsweise das sehr harte Kabel, das vom Bedienteil zum Headset führt. Dies so- wie ein paar andere Bagatellen Mitgedacht: gelb, kosmetischer Natur besprach die Komfort-Zone ich vor Redaktionsschluss mit für die Brillenbügel. dem Vertreter von Sennheiser in Deutschland, Herrn Mathias Köhler. Er erklärte, dass die kleinen Mängel des zur Verfügung gestellten Vorserienmodells S1 im Serienmodell schon beseitigt wurden. So tauschte man das harte, luftfahrtgeprüfte Kabel des Vorserienmodells gegen ein mitt- lerweile in weicherer Qualität erhältli- ches Kabel aus. Mit dem Sprung in ein neues Segment ist Sennheiser mit sei- nem Produkt S1 direkt im High-End- Himmel angekommen, wo die oben genannte Konkurrenz schon länger prä- sent ist. Optik kann Geschmacksache sein, aber mit der angewandten Technik befindet sich der Si ohne Frage in der Topliga der Headsets für Piloten, direkt auf Augenhöhe mit den alten Hasen. Ob Sennheiser mit dem SlDigital die Konkurrenz überholen kann, wird der Markt entscheiden. 1 2012 Flügel Das Ma 65